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#Arbeitsmarkttrends #Arbeitgeberattraktivität #Vereinbarkeit

Homeoffice ist etabliert – auch in der Wirtschaftskrise. Aber Gleich­stellungs­potenziale bleiben ungenutzt

29.04.2026 | 1 Link | 7 Bilder

Die Wirtschaftskrise führt keineswegs dazu, dass Arbeitgeber:innen ihren Mitarbeitenden seltener Homeoffice anbieten. Der Anteil an Stellenanzeigen mit Homeoffice-Angebot liegt bei 20 Prozent – und damit auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Das zeigt die Analyse von 79 Millionen Online-Stellenanzeigen durch den Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung. Insbesondere Beschäftigte aus IT-Berufen profitieren vom Angebot. Weit verbreitet ist das Homeoffice zudem in männerdominierten Berufen, das Gleichstellungspotenzial auf dem Arbeitsmarkt bleibt noch zu oft ungenutzt. Homeoffice-Hauptstadt ist Stuttgart.

© fizkes - stock.adobe.com

Gütersloh, 29.04.2026. Der Homeoffice-Boom hält an. Heute gibt es bei jedem fünften Jobangebot die Option, remote zu arbeiten. Vor der Corona-Krise hatten nur 3,7 Prozent der Online-Stellenangebote die Möglichkeit zum Homeoffice geboten. Bis 2022 stieg das Angebot kräftig auf 16,8 Prozent. Seit 2024 erreicht die Quote rund 20 Prozent – und hält seither dieses Niveau. Auch die Konjunkturschwäche hat diesem Trend nichts anhaben können, erklärt Gunvald Herdin zum Tag der Arbeit. „Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben“, sagt der Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung.

Homeoffice-Angebote gibt es vor allem in männerdominierten Berufen

Vor allem in Jobs mit einem hohen Männeranteil, besonders in IT-Berufen, gibt es die Chance auf Homeoffice. Bei frauendominierten Berufen, die eher von direktem Kontakt mit Menschen geprägt sind, sind Homeoffice-Angebote seltener. So taucht erst auf dem 14. Platz des Rankings mit der Steuerberatungsfachkraft ein frauendominierter Beruf auf. Insgesamt bieten Arbeitgeber nur für 13 Prozent der frauendominierten Berufe Homeoffice an, bei den männerdominierten Berufen sind es 22 Prozent. Besonders eklatant ist der Unterschied bei den Hochqualifizierten. In 22 Prozent der frauendominierten Berufe mit Studium wird Remote-Arbeiten angeboten, beim männlichen Gegenpart ist der Anteil mit knapp 46 Prozent mehr als doppelt so hoch.

„Homeoffice ist ein wichtiges Vereinbarkeitsinstrument. Gerade für Eltern und Pflegende ist ortsflexibles Arbeiten oft entscheidend. Für Alleinerziehende gilt das in besonderem Maße, weil zeitraubende Arbeitswege wegfallen“, sagt Michaela Hermann, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. „Aber weder der Gender Care Gap noch der Gender Pay Gap verschwinden deshalb automatisch. Wir brauchen auch Vereinbarkeitsangebote in Berufen mit engem Kontakt zu Menschen – etwa in Erziehung, Pflege und Gesundheit.“ Hier sollten Arbeitgeber:innen gezielt Rahmenbedingungen schaffen, die zu mehr Zeitsouveränität führen. Wichtig ist zudem, Angebote für mobiles Arbeiten klar zu kommunizieren, denn flexible Arbeitsformen erhöhen die Attraktivität dieser Stellen für Menschen mit Sorgeverantwortung. „Wer allerdings Homeoffice mit ständiger Verfügbarkeit oder der Verpflichtung zu Überstunden verwechselt, lässt das gleichstellungspolitische Potenzial von Homeoffice ungenutzt“, sagt Hermann.

Unter den Top-Ten mit Homeoffice sind sieben IT-Berufe vertreten

Fast schon Standard ist Homeoffice in IT-Stellenangeboten. Unter den zehn Jobs mit der höchsten Homeoffice-Quote finden sich sieben Berufe aus dem Bereich Software und IT. Im Jahr 2025 wurden in 69 Prozent aller Stellenangebote für Expert:innen in der IT-Anwendungsberatung Remote-Optionen genannt. Bei den Netzwerkspezialist:innen liegt die Quote bei 64 Prozent. Den weitesten Sprung nach vorn haben die Steuerberater:innen gemacht. In 67 Prozent der Stellenausschreibungen gibt es für sie ein Homeoffice-Angebot. Das ist seit 2019 eine Steigerung um 61 Prozentpunkte.

Insgesamt bleibt das Homeoffice eine Domäne der höher qualifizierten Arbeitnehmer:innen. Gut ein Drittel der Akademiker:innen (35 Prozent) darf im Homeoffice arbeiten, etwas geringer ist mit 30 Prozent der Anteil bei den Beschäftigten mit Meister- oder Bachelor-Abschluss. Nur vier Prozent der Arbeitnehmer:innen auf Helfer:innen-Niveau bekommen ein Homeoffice-Angebot. „Als Hilfskraft sind die Chancen gering. Je höher die Anforderungen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, im Homeoffice arbeiten zu können“, sagt Herdin.

Stuttgart ist die neue Homeoffice-Hauptstadt

Ein deutliches Gefälle gibt es zwischen Stadt und Land. Wenig überraschend finden sich in den Ballungsräumen mehr Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Beschäftigung im Homeoffice anbieten. In Großstädten liegt die Quote bei gut 28 Prozent. Homeoffice-Hauptstadt ist Stuttgart mit einem Angebot von 38 Prozent. Kurz dahinter folgen Düsseldorf mit 37 und Frankfurt (Main) mit 36 Prozent. Extrem wenig Homeoffice wird in dünn besiedelten Kreisen, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, angeboten, vor allem, weil es in Ballungsräumen, im Gegensatz zu ländlichen Regionen, mehr „klassische“ Homeoffice-Anbieter, zum Beispiel IT-Unternehmen gibt.

Zusatzinformationen: Der Jobmonitor analysiert Online-Stellenanzeigen und stellt die Ergebnisse monatsaktuell und auf Ebene von Kreisen und kreisfreien Städten dar. Für die Homeoffice Analyse haben wir rund 79 Millionen Online-Stellenanzeigen der Jahre 2019 bis 2025 analysiert. Berufe gelten in der Analyse als frauen- beziehungsweise männerdominiert, wenn ein Geschlechteranteil von mehr als 70 Prozent der Beschäftigten vorliegt.

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Stefan Schelp
Pressesprecher
stefan.schelp@bertelsmann-stiftung.de
Gunvald Herdin
Senior Project Manager
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Jana Fingerhut
Senior Project Manager
jana.fingerhut@bertelsmann-stiftung.de
jobmonitor@bertelsmann-stiftung.de
Fotos: © Jan Voth